Accountmaßnahme – Diablo 3 Permanente Accountschließung durch Blizzard – was nun?

Bei der Accountschließung oder der Accountsperre wiegt oftmals die investrierte Zeit des Computer- oder Videospiel-Konsumenten schwerer, als der Preis des Erwerbs des jeweiligen Computerspiels, bzw. Videospiels. Das us-amerikanische Entwickler- und Vertriebsstudio für Unterhaltungssoftware Blizzard Entertainment Inc. schreitet bei Regelverstößen und Verletzungen gegen die battle.net Nutzungsbedingungen selbstständig ein und schließt mitunter Diablo 3 Accounts (kurz D3-Account) permanent. Betroffene battle.net User werden via einer E-Mail des Absenders noreply@blizzard.com von einer Verfehlung in Kenntnis gesetzt. Die Betreffzeile der E-Mail lautet im Falle einer Verfehlung im Spielablauf des Computerspiels Diablo 3 mitunter „Diablo III – Mitteilung zu der Accountmaßnahme“. Der Inhalt der E-Mail über die Accountschließung lautet nicht selten:

„* * * PERMANENTE ACCOUNTSCHLIEßUNG * * *

Ein Nutzer des Accounts war kürzlich in einen Vorfall verwickelt, der vom Blizzard-Kundendienst als für Diablo III unangemessen eingestuft wurde. Diese Entscheidung wurde nach einer gründlichen Untersuchung gefällt. Obschon wir aus Gründen des Datenschutzes nicht in der Lage sind, das Ergebnis unserer Untersuchung zu erläutern, möchten wir versichern, dass der Zwischenfall gründlich geprüft wurde und wir angemessene Konsequenzen verhängt haben.

Getroffene Maßnahme: Accountschließung

Verstoß: Unerlaubte Drittanbieter Programme (Third Party Software)

Ein Drittanbieter Programm ist eine Datei oder ein Programm, das nicht Teil der Clientsoftware von Diablo III ist, aber benutzt wird, um einen Vorteil im Spiel zu erlangen. Dies beinhaltet alle Programme, die Informationen aus dem Spiel beziehen, die einem normalen Spieler nicht zugänglich sind, oder Spieldateien verändern bzw. übertragen. Jede externe Anwendung, die in Verbindung mit Diablo III genutzt wird, kann einige unerwünschte Nebeneffekte verursachen. Eine der möglichen Folgen der Benutzung von Drittanbieter Programmen ist Instabilität des Spieles, die zu häufigen Spielabstürzen führen kann. Externe Programme können außerdem dazu benutzt werden Viren, Spyware und andere ungewollte Programme auf den Computer des Spielers zu übertragen. Drittanbieter Programme können zusätzlich dazu benutzt werden, Informationen auf dem Computer des Spielers wie Account-, Passwort- und private Informationen, auszuspähen.

Dieser Diablo-III-Account wurde aufgrund der im Rahmen einer Untersuchung aufgedeckten Regelverstöße gemäß unserer Nutzungsbestimmungen (http://eu.battle.net/support/de/article/diablo-iii-account-penalties-policy) vom Kundendienst dauerhaft gesperrt. Jegliche offenen Gebote oder Auktionen auf dem Account wurden abgebrochen. Etwaige offene Gebote werden Ihrer ursprünglich gewählten Zahlungsmethode gutgeschrieben. Es kann je nach Erreichbarkeit Ihres Geldinstituts 5-10 Tage dauern, bis die Summe überwiesen wurde. Gebote oder Auktionen, die vor Schließung des Accounts abgeschlossen wurden, werden weder ersetzt noch aufgehoben.

Von diesem Zeitpunkt an werden dieser D3-Account und jegliche damit verknüpften Helden oder Gegenstände nicht länger zur Verfügung stehen.

Ihre einzige Möglichkeit, Diablo III wieder spielen zu können, besteht im Kauf einer neuen Lizenz oder in dem Versuch, Ihren alten Account über ein Berufungsverfahren wieder freischalten zu lassen. Aufgrund unserer Sorgfältigkeit bei den Untersuchungen sowie der Verhängung von Strafen in dieser Größenordnung ist eine Aufhebung der permanenten Accountsperre unwahrscheinlich, aber dennoch empfehlen wir, mit dem Kauf einer neuen Spiellizenz zu warten, bis der Berufungsvorgang abgeschlossen wurde.

Falls Sie Ihrem Battle.net-Account eine neue Lizenz für Diablo III hinzufügen, wird diese den alten D3-Account überschreiben. Helden oder Gegenstände von Ihrem alten Account bleiben verlustig. Jegliche Einsprüche oder Fragen im Bezug auf diese Maßnahme können an unser Support-Team gerichtet werden. Ein Webticket können Sie unter folgender Adresse erstellen: https://eu.battle.net/support/de/ticket/submit

Wir können verstehen, dass diese Richtlinien hart erscheinen können, doch bestehen sie zum Schutz des Spielerlebnisses jedes Spielers während seines gesamten Aufenthalts im Battle.net. Wir danken für Ihr Verständnis.

Gruß Blizzard Entertainment Kundendienst http://eu.battle.net/support/de/“

Blizzard Entertainment selbst rechtfertigt die Accountstrafen wie folgt: „Manchmal müssen leider disziplinarische Maßnamen gegen jene Spieler ergriffen werden, welche das Spielerlebnis oder gar die Funktionen des Spiels selbst stören. Auch wenn uns der Einsatz derartiger Strafen niemals angenehm ist, so mag es manchmal unvermeidlich sein, diese durchzusetzen um die Qualität des Spieles zu gewährleisten.“

Die permanente Schließung des Spielzugangs ist die höchste der Accountstrafen in Blizzard Entertainments Regelmaßnahmenkatalog. Weitere mildere Regelmaßnahmen sind etwa die Verwarnung odereine 7-tägige Spielsperre. Laut Blizzard Entetainments Richtlinien zu den Account-Strafen bleibt die permanante Accountschließung nur Ausnahmefällen vorbehalten. Blizzards Richtlinien bestimmen insoweit „Accounts werden dann geschlossen, wenn ein Spieler unsere Richtlinien maßlos und/oder extrem verletzt hat. Wenn ein Account geschlossen wird, kann der Spieler nicht länger auf den Account zugreifen. Account-Schließungen sind selten und werden dann verhängt, wenn ein Spieler nicht bereit ist, sich an die gegebenen Regeln zu halten und darauf besteht, das Vergnügen anderer Spieler am Spiel zu beeinträchtigen oder dem Service selbst zu schaden. […]“

Darf Blizzard einen Account sperren?

Rechtsgrundlage für eine Sperrung bilden die jeweiligen Blizzard Entertainment Nutzungsbedingungen sowie die Endbenutzerlizenzvereinbarung (kurz EULA oder zu englisch: End User License Agreement). Im Falle von Diablo 3 sind die Lizenzgrundsätze erfasst in der „Diablo 3 – Endbenutzerlizenzvereinbarung“. Dieser Lizenzvereinbarung hat ein Spieler vor der Installation des Computerspiels zuzustimmen. Mit den Nutzungsbestimmungen verhält es sich ähnlich. Den Nutzungsbestimmungen muss ein Spieler vor der Konten-Registrierung zustimmen. Da die Lizenzvereinbarung den Vorrang vor den Nutzungsbestimmungen genießt, soll an dieser Stelle nicht weiter auf die Nutzungsbestimmungen eingegangen werden.

Mit der Zustimmung zur Lizenzvereinbarung kommt zwischen dem Spieler und Blizzard Entertainment Inc. ein wirksamer Lizenzvertrag zustande. Die Lizenz zur Nutzung des Spiels Diablo 3 unterliegt Blizzards Lizenzbeschränkungen. Nutzungen, die gegen die Beschränkungen verstoßen, werden als Verstoß gegen die Urheberrechte an dem Spiel definiert. Lizenzvertragswidrig ist so u.a. die „Verwendung von Cheats, Automationssoftware (Bots), Hacks oder anderer unzulässiger Software von Drittanbietern, die die Erfahrung des Spiels verändern, insbesondere Mods […]“ oder aber der Einsatz „einer nicht zulässigen Software von Drittanbietern, die Informationen aus dem oder über das Spiel oder den Dienst abfängt […]“. Unter Ziffer 8 der aktuellen Lizenzvereinbarung findet sich der Passus zur Beendigung der Lizenz nach welchem „Blizzard sich das Recht vor[behält], diese Lizenzvereinbarung ohne vorherige Ankündigung zu beenden, wenn [Nutzer] eine Bestimmung dieser Vereinbarung, eine Bestimmung der Nutzungsbedingungen oder die Bestimmungen des Echtgeld-Auktionshauses für Diablo III nicht einhalten.“

Unter vertragsrechtlichen Gesichtspunkten scheint Blizzard folglich zur Sperrung von Accounts unter bestimmten Voraussetzungen berechtigt. Im Mindestmaß müssen allerdings die für eine Accountschließung erforderlichen Voraussetzungen uneingeschränkt erfüllt sein. Im weiteren wird auf diese Aspekte noch näher eingegangen.

Was tun, wenn der Account gesperrt wird?

Bei einer Accountschließung sollte zunächst der Kontakt zu Blizzard gesucht werden. Soweit die Accountsperrung aus Sicht des betroffenen Nutzers unberechtigt ist, sollte er Blizzard Entertainment Inc. unverzüglich eine angemessene und hinreichend bestimmte Frist zur Reaktivierung des Accounts setzen. Mit dem fruchtlosen Verstreichen der Frist wird – im Falle der berechtigten Ansprüche auf Reaktivierung des betroffenen Accounts – Blizzard Entertainment Inc. wirksam in Verzug gesetzt. Während des Verzugs hat ein Schuldner gem. §§ 280 Abs. 2 iVm. 286  BGB die dem Gläubiger entstandenen notwendigen Aufwendungen (zu denen  mitunter auch Rechtsanwaltskosten zählen) zu erstatten. Man spricht insoweit von dem Schadensersatz wegen der Verzögerung der Leistung.

Soweit eine einvernehmliche Lösung mit Blizzard nicht herbeigeführt werden kann und seitens des Users eine Frist gesetzt wurde, die fruchtlos verstrich, kann dieser als finales Mittel einen mit dieser Rechtsthematik betrauten Rechtsanwalt zu Rate ziehen. Wichtig ist die Kosten für die Betrauung des Rechtsanwaltes im Vorfeld der Aufnahme der anwaltlichen Dienstleistungen zu erörtern. Der Rechtsanwalt wird zunächst auf eine Sachverhaltsaufklärung hinwirken, eine wirksame Einbeziehung der entsprechenden Rechtsbedingungen unter dem jeweiligen Vertragsverhältnis prüfen und sodann eine rechtliche Bewertung der Accountschließung unter Berücksichtigung der zugrunde zulegenden Rechtsbestimmungen vornehmen.

Eine streitige Problematik, die der rechtlichen Bewertung zugeführt werden sollte, ist der Umstand, inwieweit die Nutzungsbedingungen und die Lizenzbestimmungen von Blizzard Entertainment als Allgemeine Geschäftsbedingungen zu qualifizieren sind. AGB sind Vertragsbedingungen, die für eine Vielzahl von Verträgen vorformuliert sind, und die eine Vertragspartei, der Verwender, die anderen Vertragsparteien bei Abschluss eines Vertrages stellt. Problematisch ist dies folglich, da – wie bereits oben dargelegt – sowohl die Lizenzbestimmungen als auch die Nutzungsbedingungen des us-amerikanischen Software-Publishers regelmäßig erst nach dem Erwerb des Computerspiels gestellt werden.

Klärungsbedürftig ist in diesem Zusammenhang auch, inwieweit die hier thematisierten Lizenzbestimmungen und Nutzungsbedingungen überhaupt eine Wirkung gegenüber dem Spieler entfalten. In jedem Falle unterstehen die Regelungen aber der AGB Inhaltskontrolle, wonach u.a. Klauseln unwirksam sind, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Weiterhin werden Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen dann nicht Vertragsbestandteil, soweit sie nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht. Meiner Ansicht nach bestehten nach dem deutschen Recht nachhaltige Zweifel an der uneingeschränkten Wirksamkeit der Endnutzerlizenzbestimmungen und der Nutzungsbedingungen der Blizzard Entertainment Inc. gegenüber dem spielgeneigten Verbraucher. Dennoch sollte vor der Anstrengung rechtlicher Schritte unweigerlich eine fundierte Beratung im Hinblick auf die bestehenden Ansprüche und deren Durchsetzbarkeit eingeholt werden. Anderweitige Anspruchsgrundlagen bleiben an dieser Stelle außen vor.