Internet-Mobbing
Wenn Mobbing im Internet zum Problem wird

Internet-Mobbing – Diffamierung im Internet und rechtliche Lösungsansätze gegen Cyber-Mobbing

Der englische Begriff „mob“ bedeutet ins Deutsche übersetzt soviel wie „anpöbeln“. Lange Zeit wurde der Begriff des sogenannten „Mobbing“ unweigerlich mit einem angespannten Verhältnis von Mitarbeitern untereinander assoziiert, die an einem gemeinsamen Arbeitsplatz tätig waren. Doch spätestens seit dem Jahre 2007, in dem das umstrittene Internetportal „RottenNeighbor“ in den Fokus deutscher Presseberichterstattungen rückte, offenbarte sich eine neue Form kritischer Individualäußerungen. Das Portal „RottenNeighbor“ bot seinerzeit Internetnutzern die Möglichkeit, auf dieser Plattform anonym Berichte über die eigenen Nachbarn zu veröffentlichen. In Medienberichten war u.a. von einem Online-Pranger die Rede. Damit war klar: Im Zeitalter des Internets, in dem Inhalte jedweder Art einer steten Medienpräsenz unterstellt werden können, erreicht das Maß der Angriffe auf die Integrität von Individuen eine neue Qualität. Man spricht insoweit vom sogenannten Internet-Mobbing. Mitunter veranlasst die Schein-Anonymität des Internets, gepaart mit einem gestörten Unrechtsbewusstsein, einige Internetnutzer dazu, eine andere Person auf der weltweit zugänglichen Kommunikationsplattform zu diffamieren. Ein anderes mal bewegen den Mobber Profilierungsmotive oder gar finanzielle Aspekte, einen anderen Menschen schikanieren. Noch vielfältiger als die zugrundeliegenden Beweggründe des Mobbers sind die Diffamierungsarten: So werden etwa Schüler von Mitschülern im Internet bedroht bzw. bloß gestellt oder es werden Lichtbildaufnahmen, Videos oder Fotomontagen, die einen Arbeitskollegen in einer  verfänglichen Situation darstellen, veröffentlicht oder es wird eine wahrheitswidrige Tatsache über die Waren, Dienstleistungen oder das Unternehmen eines Mitbewerbers ins Internet gestellt. Opfer einer Mobbing Attacke erlangen vom diffamierenden Inhalt zumeist nur zufällig Kenntnis und reagieren sodann nicht selten zurückhaltend. Dies kann sich jedoch als schwerwiegender Fehler erweisen. Denn im Internet herrscht eine gewisse „Eigendynamik“ vor. Das heißt, dass auf einen Beitrag nicht selten weitere Äußerungen anderer Internetnutzer folgen oder aber Inhalte gespiegelt bzw. kopiert und auf anderen Internetseiten wiedergegeben werden. In der Konsequenz bedeutet dies für einen Betroffenen einer Internet-Mobbing-Attacke, dass er schnellstmöglich gegen die Veröffentlichung der betreffenden Darstellung seiner Person bzw. seines Unternehmens und gegen die Gefahr der Wiederholung der Mobbing-Attacke vorgehen sollte. Denn das Internet ist keineswegs ein rechtsfreier Raum. Vielmehr bietet der Gesetzgeber effektive zivil- und strafrechtliche Maßnahmen, um dem Internet-Mobbing zu begegnen.

Strafrechtliche Betrachtung gegen Internet-Mobbing

Das Internet-Mobbing erfüllt aus strafrechtlicher Sicht zumeist die Tatbestände der Beleidigung gem. § 185 StGB, der üblen Nachrede iSd. § 186 StGB oder der Verleumdung aus § 187 StGB. Daneben kommen auch die Straftatbestände der Nötigung iSd. § 240 StGB oder der Bedrohung iSd. § 241 StGB in Betracht. In einigen Fällen kann im Zusammenhang mit dem Internet-Mobbing auch die Volksverhetzung gem. § 130 StGB oder eine strafrechtlich relevante Gewaltdarstellung, die § 131 StGB unter Strafe stellt, beobachtet werden. Seltener, aber in der Praxis auch nicht ganz abwägig, sind Fälle, in denen die Bloßstellung unter einer Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, die § 201 StGB sanktioniert, und/oder einer Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen iSd. § 201a StGB stattfindet. Insoweit haben Mobbing Opfer die Möglichkeit gegen den Mobber eine Strafanzeige zu erstatten. Strafanzeigen können mittlerweile in den meisten Bundesländern (so auch in NRW: www.polizei.nrw.de) Online gestellt werden.

Zivilrechtliche Maßnahmen beim Cyber-Mobbing

Neben der Strafanzeige kommen auch effektive zivilrechtliche Schritte gegen den Mobber und/oder unter Umständen auch gegen den Betreiber des Internetauftritts in Betracht, auf welchem der diffamierende Inhalt veröffentlicht wird. Zur Durchsetzung der Unterlassungsansprüche bietet sich eine Abmahnung oder eine gerichtliche Durchsetzung der Unterlassungsansprüche an. Zur zeitnahen Ausräumung der Wiederholungsgefahr kann innerhalb einer kurzen Zeit ab Kenntnisnahme von der Mobbing-Attacke auch eine einstweilige Verfügung gegen den Mobber erwirkt werden. Da die Maßgaben der anzurufenden Gerichte in diesem Zusammenhang oft strenge Voraussetzungen an die Eilbedürftigkeit stellen, sollte das Mobbing Opfer keine Zeit verstreichen lassen, um Kenntnis über die Person des Mobbers zu erlangen und gegen diesen vorzugehen. Der Zeitfaktor spielt auch eine wichtige Rolle beim Ermitteln der Daten des Mobbers. Denn alle Telekommunikationsdienstleistungsunternehmen speichern die Verbindungsdaten allenfalls für einen kurzen Zeitraum, soweit sie nicht gerichtlich angehalten werden, die Daten längere Zeit zwischenzuspeichern.

Fazit zum Cyber-Mobbing

Ein zeitnahes konsequentes Vorgehen gegen Online­-Mobber kann in den meisten Fällen zum Erfolg führen und dazu beitragen, dass das Internet ein positiv zu bewertendes Medium zum Informations- und Datenaustausch bleibt.