Fake E-Mail Abmahnung Urheberrechtsverletzung 10.12.2013

Zahlreiche Internetnutzer haben am heutigen Tage eine E-Mail mit dem Betreff „Abmahnung Urheberrechtsverletzung [persönliche Anrede] 10.12.2013“ erhalten.

Die Abmahnung orientiert sich eng am Wortlaut der jüngst wiederholt versandten Abmahnungen der The Archiv AG (wir berichteten), die seitens der Rechtsanwaltskanzlei U+C  kürzlich ausgesprochen wurden, nachdem Internetanschlussinhaber Video-Streams des Videoportals redtube.com konsumiert hatten. Das perfide an der individualisierten E-Mail, in der der Empfänger mit Namen angesprochen wird, ist der Umstand, dass die tatsächliche Abmahnung mit großer Medienresonanz ins Wahrnehmungsfeld einer breiten Öffentlichkeit gelangte. Der Versender der Mail wird mit „Rechtsanwaltschaft“ angegeben. Ausweislich des Quelltextes wird die E-mail von einer gmx.de Adresse aus versandt.

So heißt es in der E-Mail „Grund unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus begangene Urheberrechtsverletzung an dem Werk […]. Unserer Mandantin […] Steht das ausschließliche Recht zu, dieses Werk zu vervielfältigen. Dieses Recht wurde durch das Streamen des betreffenden Werkes über ihren Internetanschluss verletzt.“

Im Fortgang wird ein fingierte Ermittlungsdatensatzauszug beigefügt, auf dem neben der angeblichen IP Adresse auch die behauptete Verletzungszeit und eine Benutzerkennung erfasst ist.

Die Mail schließt ab mit dem Hinweis „Die Beweisdaten sowie die Kontodaten und unsere Kontaktdaten ersehen Sie in der beigefügten Datei.“

Empfänger dieser E-Mail sollten tunlichst davon Abstand nehmen die komprimierte Datei „10.12.2013.zip“ zu öffnen. Die Datei beinhaltet den Verschlüsselungstrojaner trojan-dropper.win32.injector.

Für alle Interessierten – der Inhalt einer dieser E-Mails lautet:
Sehr geehrte(r) [Name des E-Mail Empfängers],

Grund unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus begangene Urheberrechtsverletzung an dem Werk Hot Stories. Unserer Mandantin The Archive AG steht das ausschließliche Recht zu, dieses Werk zu vervielfältigen (§§ 16, 94 f. UrhG). Dieses Recht wurde durch das Streamen des betreffenden Werkes über Ihren Internetanschluss verletzt.

Weiter aufgelisteten Daten konnte die seitens unserer Mandantschaft beauftragte Ermittlungsfirma feststellen und beweissicher rechtlich dokumentieren:

Datum/Uhrzeit: 02.12.2013 21:45:63
IP-Adresse: 98.231.106.24 [Name des E-Mail Empfängers] Produktname: Hot Stories
Benutzerkennung: 413762917
Tauschbörse: Redtube

Unsere Mandantin hat daher vor dem Landgericht Köln Ihren Internet-Service-Provider gemäß § 101 Abs. 9 UrhG auf Auskunft in Anspruch genommen. Das Landgericht hat für diesen Vorfall sowohl die Rechtsinhaberschaft als auch die ordnungsgemäße Erfassung der Rechtsverletzung und Funktionsweise der Ermittlungssoftware bejaht. In dem Beschluss mit dem Aktenzeichen 233 0 173/13 wurde Ihrem Internetserviceprovider die Herausgabe Ihrer Daten gestattet.

Namens und in Vollmacht unserer Mandantin fordern wir Sie hiermit auf, die gegebenenfalls noch vorhandene rechtswidrige Kopie sofort von Ihrem Computer zu löschen. Weiter fordern wir Sie auf zur Ausräumung der Wiederholungsgefahr eine Unterlassungserklärung gegenüber unserer Mandantin abzugeben, für deren Eingang in unserer Kanzlei eine Frist bis spätestens 15.12.2013 notiert wurde. Die Unterlassungserklärung muss hier im Original mit Unterschrift vorliegen. Eine Kopie oder eine Übermittlung per Telefax ist nicht ausreichend. Die Unterlassungserklärung muss ausreichend strafbewehrt, unbedingt und unwiderruflich sein. Ein entsprechender Formulierungsvorschlag mit einer Vertragsstrafenregelung nach dem gängigen Hamburger Brauch ist in der Anlage beigefügt. Sofern Sie beabsichtigten, diesen abzuändern (§ 97 a Abs. 2 Nr. 4 UrhG), weisen wir darauf hin, dass nur eine Unterlassungserklärung mit einer ausreichenden Vertragsstrafe die Wiederholungsgefahr beseitigt. Im Falle von Änderungen d
er Unterlassungserklärung tragen Sie das Risiko, dass diese von uns nicht akzeptiert wird.

Gemäß § 97a Abs. 3 UrhG besteht weiterhin ein Kostenerstattungsanspruch gegen Sie. Sie haben unserer Mandantin den durch die unerlaubte Verwertung entstandenen Schaden zu ersetzen, den wir hier mit 61,33 Euro beziffern. Weiterhin haben Sie die Kosten der Ermittlungsfirma zur Feststellung der Rechtsverletzung, die Gerichtskosten des Verfahrens vor dem Landgericht Köln und die anteiligen Aufwendungen, die Ihrem Provider gemäß § 101 Abs. 2 UrhG zu erstatten waren zu ersetzen. Hierfür sind 60,00 Euro anzusetzen. Die erstattungspflichtigen Kosten unserer Inanspruchnahme bemessen sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und werden wie folgt beziffert:

Gegenstandswert: 4007,00 Euro
Geschäftsgebühr §§ 13, 14, Nr. 2030 VV RVG: 389,97 Euro
Pauschale für Post und Telekommunikation: 35,10 Euro
Schadensersatz: 61,33 Euro
Aufwendung für Ermittlung der Rechtsverletzung pauschal: 60,00 Euro

Die aufgezeichneter Beweise sowie die Kontodaten und unsere Kontaktdaten finden Sie in der beigefügten Datei.

Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwälte Urmann und Collegen