Fotorechte in sozialen Netzwerken

Bildrechte im Internet – Wie soziale Netzwerke zum Lizenznehmer werden

Die Geburtsstunde der Fotografie reicht auf das Jahr 1826 zurück. Hier gelang Joseph Nicéphore Nièpce mit der Ablichtung des Motivs „Blick aus dem Fenster in Le Gras“ die erste dokumentierte Fotografie. Während Niépce als Bildträger eine beschichtete Zinnplatte diente,  werden heutzutage die meisten Fotos digital gespeichert. Da sich digitale Daten leicht vervielfältigen lassen, sorgen sich Lichtbildner zusehends um ihren Bildbestand. Dies gilt insbesondere für im World Wide Web veröffentliche Fotografien. Ein gänzlicher Verzicht auf die Veröffentlichung von Bildern im Internet erscheint kaum praktikabel. Schließlich dient das Internet dem Fotografen als Publikationsplattform, um auf die eigenen Referenzen hinzuweisen.

Sinnvoller erscheint die Durchsetzung von Schutzrechten bei einer rechtswidrigen Verwendung von Bildern. Einen umfassenden „Schutzmantel“ bietet das Urheberrecht, indem es nicht nur Bildwerke, sondern auch Lichtbilder seinem Schutz unterstellt. Es schützt den Fotografen in der Nutzung seiner Bilder und dient zugleich der Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung seiner Fotos. Insoweit fällt dem Fotografen das ausschließliche Recht zur Verwertung seiner Fotografien, sowie das Veröffentlichungsrecht und das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft an den Fotos zu.

Der Fotograf kann einem anderen jedoch das Recht einräumen, eines oder mehrere seiner Lichtbilder, auf einzelne oder alle Nutzungsarten, zu verwenden. Dies geschieht regelmäßig durch den Abschluss eines schriftlichen Lizenzvertrages. In dem Lizenzvertrag kann das Nutzungsrecht als einfaches oder ausschließliches Recht sowie räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt eingeräumt werden. Grundsätzlich bestimmt der Fotograf den Umfang der Lizenz. Doch ausnahmsweise kann es auch sein, dass ein Dritter den Lizenzumfang und die Nutzungskonditionen definiert. Typischerweise kommt dies im Rahmen der Aufnahme eines Fotografen in bestimmte Gemeinschaften – sowie unter der Teilnahme an denselben – vor. Prominentes Bespiel ist etwa die Social Network Plattform Facebook. Deren aktuelle Nutzungsbedingungen sehen folgendes vor: „Für Inhalte wie Fotos und Videos, die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen (IP-Inhalte) erteilst du uns, sofern du in deinen Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen nichts anderes einstellst, die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz)“.

Der Fotograf räumt damit dem Plattformbetreiber mit der Bereitstellung seiner Bilder auf der Plattform weitreichende Rechte an den entsprechenden Lichtbildern ein. Damit läge im Falle einer entsprechenden Verwertung der Bilder durch den Plattformbetreiber keine rechtswidrige Verwendung vor. Dem Fotografen bliebe die Durchsetzung von Ansprüchen auf Unterlassung, Schadens- und Aufwendungsersatz verwehrt. Sogar eine Drittverwertung der Lichtbilder, die der Fotograf auf der Plattform veröffentlicht hat, wäre rechtskonform. Dafür sorgt das Facebook eingeräumte Übertragungs- und Unterlizenzierungsrecht, also das Recht, anderen Personen Nutzungsrechte an den Lichtbildern zu erteilen.

Demgetreu sind Fotografen gut beraten, sich mit den jeweiligen Nutzungsbedingungen einer Internet Community gründlich zu befassen und sich mit den Folgen der Veröffentlichung ihrer Lichtbildaufnahmen auf der besagten Plattform frühzeitig auseinanderzusetzen.