Bei einem Streit unter Nachbarn, geht es nicht selten um stetig ähnliche Auslöser und ein vergleichbares Konfliktpotential. Überhang bzw. Überwuchs (Pflanzen, die auf das benachbarte Grundstück wachsen), tollende Haustiere oder Kinder, kulturelle Auffassungen, die Gartengestaltung, Lautstärke bzw. Lärmbelästigung, Emmissionen, Verstöße gegen die Hausordnung oder Beleidigungen bzw herabsetzendes Verhalten sorgen mitunter für langwierige Auseinandersetzungen.

Dabei erscheinen für einen Außenstehenden die Anlässe für den Streit oft unbedeutend. Die Betroffenen hingegen kann ein Nachbarschaftsstreit gleichsam an die psychischen Belastungsgrenzen treiben. Denn Auseinandersetzungen unter Nachbarn können mitunter Jahre andauern. Damit einher gehend sind die aktuellen Streitanlässe häufig nicht einmal die eigentlichen Auslöser des Konflikts. Diese basieren oftmals auf einem verletzenden Verhalten, welches bereits Jahre zurück liegt. Verhaltensweisen und Einstellungen haben sich zumeist manifestiert und die Kompromissbereitschaft der Nachbarn ist über die Zeit geschwunden. Zudem darf man auch nicht vergessen, dass aufgrund der räumlichen Nähe zum Nachbarn ein deutlich höheres Konfliktpotential besteht, als dies in vielen anderen zwischenmenschlichen Bereichen der Fall ist.

In diesen verfahrenen Situationen wird ein Richter oder Schlichter häufig nur Vorgaben/Vorschläge im Hinblick auf die aktuelle Situation treffen. Die Nachbarschaftsmediation wird sich hingegen stets auch mit den potentiellen Ursachen des Konfliktes aus der Vergangenheit beschäftigen. Denn nachhaltige Lösungen für einen andauernden Konflikt unter Nachbarn, sind ohne die Kommunikation aller Konfliktbereiche und deren Ursachen, regelmäßig nicht zu finden. Auch rechtlich nicht greifbare Konfliktfelder (also Fragestellungen, für die Gesetz und Rechtsprechung keine Antwort vorsehen) sind einer Nachbarschaftsmediation zugänglich.

Doch wann erkennt man, ob ein Konflikt mit dem Nachbar noch selbstständig zu lösen ist oder man einen Mediator einschaften muss? Spätestens, wenn die Kommunikation zwischen Nachbarn nachhaltig gestört ist, ist eine eigenständige Herbeiführung einer Lösung ohne fremde Hilfe kaum mehr zu bewerkstelligen. Eine gestörte Kommunikationsgrundlage liegt nicht erst dann vor, wenn sich die Nachbarn nicht mehr grüßen. Vielmehr kann auch ein nur noch oberflächlich geführter Dialog (zur Vermeidung eines Streits) eine Störung der Kommunikation darstellen. Auch die Beschränkung der Kommunikation (auf den Bereich) „über den Gartenzaun hinweg“, kann verbale Grenzen – allein durch die Wahrnehmung einer „signalisierten Blockadehaltung“ des jeweiligen Nachbarn – setzen. Ein Mediator kann insoweit Kommunikationsblockaden lösen und eine konstruktive Dialogbasis schaffen.

Dahingegen verschaffen Gerichtsverfahren in Nachbarschaftsstreitigkeiten nicht selten nur kurze „Verschnaufpausen“. Dies begründet sich damit, dass der nachbarschaftliche Konflikt vielfach eine andere Ursache hat, als der vor dem Gericht behandelte Anlass der Auseinandersetzung. In so einem Fall vermag nur eine Beilegung der eigentlichen Ursache des Nachbarschaftsstreits die Wogen zu glätten.

Hier setzt eine Nachbarschaftsmediation an. Die Mediation verläuft strukturiert in verschiedenen Phasen ab. Hierüber vermag der Mediator die eigentliche Ursache mit den sich streitenden Nachbarn zu erkunden, um für diese sodann einen einvernehmliche Lösung zu finden. Doch auch vor einer Mediation gilt es Hürden zu meistern. Denn die Mediation ist im Gegensatz zum Gerichtsverfahren ein freiwilliges Verfahren. Das bedeutet, dass die Nachbarn sich selbstständig und eigenmotiviert einer Mediation zu unterstellen haben.

Gerne stehen wir Ihnen für Rückfragen zum Thema Nachbarschaftsmediation zur Verfügung. Rechtsanwalt und Mediator Markus Rassi Warai bespricht mit Ihnen in einem unverbindlichen Vorgespräch den Ablauf und die Kernaspekte des Mediationsverfahrens.