Eine Scheidung muss nicht teuer sein!

Quelle: Destatis – Elektronische Veröffentlichungen des Statistisches Bundesamts Deutschland, Bevölkerungsstatistik, Stand: 14.10.2008

Nach Auskunft des statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2007 ganze 187.100 Ehen geschieden. Auf die 368.922 Eheschließungen im Jahr 2008 bezogen, bedeutet dies, dass heute jede zweite Ehe wieder geschieden wird. Und doch ist die Zahl der Scheidungen seit einigen Jahren konstant rückläufig. Im Vergleich zum Jahre 2003 gehen bei den Familiengerichten derzeit gut 13 Prozent weniger Scheidungsanträge ein. Dieser kontinuierliche Rückgang von Ehescheidungen findet seine Ursachen auch in den Kostenlasten, die eine Scheidung häufig mit sich bringt. Ehepaare, die keinen Ehevertrag geschlossen haben, werden sind häufig erst beim Familienanwalt über die Folgen der Scheidung bewusst.

Dabei können die Kosten einer Scheidung rapide gesenkt werden. Voraussetzung ist, dass sich beide Ehepartner scheiden lassen möchten. Da es in der Praxis kaum Fälle gibt, in denen eine hundertprozentige Einigkeit der Ehepartner bezüglich aller relevanter Punkte im Rahmen der Scheidung gibt (z.B. Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich, Kindesunterhalt, Ehegattenunterhalt, Trennungsunterhalt, Umgangsrecht, Ehewohnung, Hausrat, Vermögen, Schulden, erbrechtliche Ansprüche, Scheidungskosten etc.), gilt es eine Einigkeit herzustellen. Dies gestaltete sich in der Vergangenheit oft schwierig, da ein einzelner betrauter Rechtsanwalt eben auch nur einen Ehepartner allein beraten darf, um sich nicht einer folgenschweren Interessenkollision auszusetzen. Dahingehen erhöhte die Einschaltung von zwei familienrechtlichen Anwälten die Kosten.

Dieses Problem gehört nunmehr der Vergangenheit an. Heutzutage kann sich das scheidungswillige Ehepaar an einen Mediator wenden, der dem Ehepaar auf dem Weg zur einvernehmlichen Scheidung behilflich ist. Mit Hilfe des Mediators werden Lösungen zu allen scheidungsrelevanten Themen gefunden und am Ende der Mediation in einer Abschlussvereinbarung schriftlich festgehalten. Die notarielle Beglaubigung der umfassenden Vereinbarung bietet die Grundlage für die kostensparende einvernehmliche Scheidung. Obgleich auch der Mediator Gebühren verlangen wird, werden die Kosten häufig um ein Vielfaches im Vergleich zu einem streitigen Scheidungsverfahren gesenkt. Denn zum Einen wird der (für die Gerichts- und Rechtsanwaltskosten relevante) Gegenstandswert der Scheidung auf ein Minimum gesenkt und zum Anderen wird nur noch ein Anwalt (statt zwei) mit dem Scheidungsantrag betraut. Im Übrigen werden durch die mit Hilfe des Mediators getroffene Vereinbarung auch etwaige Folgeverfahren über die dort behandelten scheidungsnahen Themen vermieden.

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Was ist eigentlich Mediation? Worin besteht der Unterschied zwischen einer gerichtsnahen und einer außergerichtlichen Mediation? – Verweis: Interview mit Rechtsanwalt und Mediator Markus Rassi Warai
Die Mediation ist ein effektives Verfahren zur Konfliktbewältigung unter Zuhilfenahme eines geschulten Mediators. Das Mediationsverfahren hat sich in Amerika, Europa und auch in Deutschland längst etabliert und die Vorteile des Mediationsverfahrens haben inzwischen auch zahlreiche Gerichte erkannt.

In Ostwestfalen-Lippe bieten neben dem Landgericht Paderborn und dem Landgericht Bielefeld auch die Amtsgerichte in Gütersloh und Herford eine gerichtsnahe Mediation an. Auch im Kreis Minden-Lübbecke hat sich die Mediation vielfach als Alternative zu einem Gerichtsprozess bewährt. Neben dem Verwaltungsgericht Minden, welches bereits seit Januar 2006 die gerichtsnahe Mediationen praktiziert, gibt es seit Januar 2009 die richterliche Mediation auch am Amtsgericht Minden.

Diese gerichtsnahe Mediation wird bestritten, wenn eine Partei nach der Klageerhebung einen Vorschlag auf Durchführung eines Mediationsverfahrens äußert. Obwohl zu diesem Zeitpunkt häufig neben bereits entstandenen Gerichtskosten auch Anwaltshonorare anfallen, findet die gerichtsnahe Mediation Zuspruch bei vielen Prozessparteien. Das entscheidende Kriterium für den Entschluss zu einer einvernehmlichen Lösung in sprichwörtlich „letzter Minute“ scheint demnach weniger der Kostenaspekt, als vielmehr der Wunsch nach einer selbst bestimmten Lösung im Einvernehmen aller Beteiligten zu sein. Nicht selten verweigert eine Partei vor einem Prozess ihre Gesprächsbereitschaft und ändert im Verfahren dann ihre Meinung aus der Erkenntnis heraus, dass andernfalls ein unter Umständen nachteiliges Urteil droht.

Konfliktparteien, die hingegen schon im Vorfeld bestrebt sind, ihre Auseinandersetzung gütlich beizulegen, steht eine außergerichtliche Mediation frei. Diese bietet den Vorteil, dass bei einer gütlichen außergerichtlichen Einigung die Anwalts- und Gerichtskosten gespart werden können, sodass allein die Kosten für den Mediator anfallen. Darüber hinaus ist die außergerichtliche Mediation grundsätzlich nicht dem begrenzten zeitlichen Rahmen eines gerichtsnahen Mediationsverfahrens unterworfen. Die Dauer des Verfahrens wird bei der außergerichtlichen Mediation vielmehr der Vielschichtigkeit des Konflikts und den Bedürfnissen der Parteien angepasst. Neben dem Kosten- und Zeitaspekt unterscheiden sich die außergerichtliche und die gerichtsnahe Mediation auch dadurch, dass der Sachverhalt, der im Rahmen einer außergerichtlichen Mediation behandelt wird im Gegensatz zu einem solchen, der der gerichtsnahen Mediation zugeführt wird, nicht bereits „verrechtlicht“ ist. Die Konfliktparteien haben sich bei der außergerichtlichen Mediation noch nicht eingehend mit der rechtlichen Bewertung ihres Sachverhalts beschäftigt und entgehen insoweit dem Nachteil, die rechtliche Bewertung in den Mittelpunkt zu stellen, schließlich stellt die gesetzliche Bewertung im Rahmen der Mediation lediglich einen von vielen Lösungswegen dar. Außerdem werden mit der Klageeinreichung, die einer gerichtsnahen Mediation vorausgeht, bereits „Fronten“ geschaffen, die eine künftige Aufrechterhaltung der Beziehungen der Parteien (über den Konflikt hinaus) zumindest erschweren.

Beiden Mediationsverfahren ist gemein, dass sie eine einvernehmliche Konfliktlösung anstreben und damit der zeitgemäßen Streitbeilegungsmethodik den Weg ebnen.