Abmahnung beim Verkauf von Fußball Tickets

Darf man von offiziellen Verkaufsstellen oder Dritten erworbene Fußball Tickets weiter verkaufen? Diese Frage beschäftigt zahlreiche Fußball Fans. Denn in zahlreichen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen über den Fußballkarten- und Ticketerwerb der ersten Herrenmannschaften der Fußball Bundesliga finden sich Klauseln, mit denen die Rückgabe von Tickets und die Erstattung des Eintrittspreises für die meisten Fälle ausgeschlossen ist. Wenn die Rückgabe an den offiziellen Verkaufsstellen damit zumeist verbaut ist, neigen Fußball Freunde dazu, sich mit dem anderweitigen Vertrieb der Tickets zu befassen. Doch auch im Zusammenhang mit dem Vertrieb sehen die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen der Veranstalter oft eigene Regeln vor.

Abmahnung beim Fußball Ticket Verkauf und Allgemeine Ticket Geschäftsbedingungen

Nach § 305 BGB sind allgemeine Geschäftsbedingungen für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierten Vertragsbedingungen, welche eine Vertragspartei (Verwender) der anderen Vertragspartei bei Abschluss eines Vertrags stellt. Allgemeine Geschäftsbedingungen liegen nicht vor, soweit die Vertragsbedingungen zwischen den Vertragsparteien im Einzelnen ausgehandelt sind.

Gültigkeit von ATGB
Nach Abs. 2 dieser Norm werden Allgemeine Geschäftsbedingungen nur dann Bestandteil eines Vertrags, wenn der Verwender (in diesem Fall der Veranstalter) bei Vertragsschluss die andere Vertragspartei (den Käufer des Fußball Tickets) ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Orte des Vertragsschlusses auf sie hinweist und der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine für den Verwender erkennbare körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen, und wenn die andere Vertragspartei mit ihrer Geltung einverstanden ist.

In der Praxis wird der Hinweis auf die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen (ATGB) des jeweiligen Veranstalters zumeist durch einen hervorgehobenen Aushang an dem jeweiligen Verkaufsstand (beim Vor Ort Kauf), durch einen verbalen Hinweis im automatisierten Ticket-Call-Center (bei der telefonischen Buchung, der mitunter eine entsprechende) Aktion – wie etwa einen Tastendruck am Telefon – des Bestellers vorsieht) oder durch einen Hinweis samt Hyperlink zu den ATGB (deren Kenntnisnahme durch ein zu setzendes Häkchen zu bestätigen ist) während des Online-Bestellvorgangs im offiziellen Online-Ticket-Shot erteilt. Bei dem Vor-Ort-Erwerb erklärt der Ticket Käufer mit der Abgabe der Willenserklärung zum Kauf des Tickets konkludent sein Einverständnis bezüglich der Geltung der ATGB.

Damit wird sich für die Frage ob Fußball Karten verkauft werden dürfen, zunächst eine andere Frage stellen, nämlich von wem der Ticket Verkäufer die Fußball Karten erworben hat. Schließlich gelten die ATGB nur beim Vertragsschluss mit dem Veranstalter. Die jeweiligen ATGB unterstehen überdies der Inhaltskontrolle nach §§ 307 ff. BGB. Hiernach kann sich beispielsweise eine Unwirksamkeit einer Klausel in Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen daraus ergeben, dass die Bestimmung nicht klar und verständlich ist. Diese Bewertung ist allerdings nicht immer ganz einfach zu treffen.

Wann und unter welchen Bedingungen darf ich ein Fußball Ticket verkaufen?

Wann und unter welchen Voraussetzungen ein Verkauf einer Fußball Karte oder Dauerkarte gestattet ist, ergibt sich also zumeist aus den Geschäftsbedingungen der Veranstaltungsberechtigten der jeweiligen Fußballspiele. Vor dem Verkauf sollte der geneigte Fußball Fan die vorgegebenen Maßgaben der jeweiligen Veranstalter für die Fußballspiele der betreffenden Mannschaft und der ATGB Verwender beschäftigen. Hierzu sollte ein Blick in die jeweiligen Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen (kurz ATGB) erfolgen.

Denn Veranstalter, wie etwa die FC Bayern München AG, die Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA, die FC Schalke 04 Arena Management GmbH oder die HSV-Arena GmbH & Co. KG und andere, haben ein Interesse daran, den sogenannten „Schwarzhandel“ mit Fußball Karten zu unterbinden. In erster Line bewegen einen Veranstalter sicherheitstechnische Aspekte, wie etwa das „Aussortieren“ gewaltbereiter Besucher, die Trennung der unterschiedlichen Fankader oder die Durchsetzung von Stadienverboten. Außerdem möchte ein Veranstalter den Verkauf von Fußball Tickets zu überhöhten Eintrittspreisen vermeiden und damit die Stabilität der eigenen Preiskalkulation gewährleisten.

Aus diesen Gründen finden sich nicht selten Klauseln in den Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen (ATGB) der Veranstalter, die den Erwerb von Karten nur zum privaten Gebrauch gestatten und die Verpflichtungen enthalten, die einen Erwerb zum gewerblichen oder kommerziellen Weiterverkauf ohne die Zustimmung des Veranstalters untersagen.

Unter einem gewerblichen Verkauf versteht man den Verkauf von Tickets als Unternehmer iSd. § 14 BGB. Als Unternehmer gilt nach dieser Vorschrift derjenige, der bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung seiner gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt. Entscheidend ist insoweit der Zweck des An- und Verkaufs der Tickets. Einer Gewinnerzielungsabsicht bedarf es für ein gewerbliches Handeln nicht zwingend. Die Rechtsprechung stellt auf bestimmte Indizien ab, um ein Handeln als eine unternehmerische Tätigkeit zu kategorisieren. Hier kann insoweit die Anzahl der Verkäufe innerhalb eines bestimmten Zeitraums (auch eine hohe Bewertungsanzahl und ein Powerseller Status können hierunter zu fassen sein), der wiederholte Verkauf von gleichartigen Artikeln, der Verkauf von ausschließlich neuen Artikeln, die professionelle Aufmachung des Auktionsangebotes (hierunter zu fassen sind auch die Auktionsbeschreibungen und darin verwandte Begrifflichkeiten wie „werte Kunden“ oder „wir“). Damit ist jeder Einzelfall gesondert zu bewerten. Von einem Verkauf von Fußball Karten auf ebay, in Fußball-Foren und vergleichbaren Plattformen kann insoweit nur eindringlich gewarnt werden. Denn diese Verkäufe stellen in zahlreichen Fällen einen gewerblichen Verkauf dar.

Soweit die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen (ATGB) eines Veranstalters einen kommerziellen Weiterverkauf untersagen, gehen sie gar noch weiter. Mit kommerzieller Intention handelt, wer Tickets kauft, um diese anschließend mit Gewinn zu veräußern. Besonders heikel sind insoweit insbesondere Sofortkauf-Auktionen mit einem höheren Startpreis als dem ursprünglichen Bezugspreis der Fußball Karte.

Weitere Nachteile beim Fußball Ticket Verkauf bei ebay, viagogo und Co

Wer Fußball Tickets auf der Internetauktionsplattform ebay.de oder viagogo.de verkauft, läuft – über den Verstoß gegen die ATGB des Veranstalters hinaus – je nach Gestaltung des Auktionsangebotes auch Gefahr, gegen das Markenrecht und/oder das Urheberrecht zu verstoßen. Diesen Umstand machen sich die Veranstalter oder deren Rechtsanwälte zu Nutzen, um ebay zu veranlassen, die Auktion zu beenden und die Daten des Verkäufers preiszugeben.

Es droht das Aussprechen einer Abmahnung. Unter einem fortwährenden Verkauf von Fußball Tickets kann es gar zur (zeitweisen) Sperre für den Kauf von Fußballkarten des entsprechenden Veranstalters, zum Aussprechen eines Hausverbots und/oder zur Verwirkung einer empfindlichen Vertragsstrafe und/oder zur weitergehenden Geltendmachung zivil- und strafrechtlicher Ansprüche durch die Veranstalter kommen. Die Fußball Bundesligisten haben ein Interesse daran, den Schwarzhandel mit Fußball Tickets zu unterbinden. Man möchte – so heißt es in vielen Abmahnungen – vornehmlich den unkontrollierbaren Handel mit den Fußball Bundesliga Tickets eindämmen. Sei es, um konkurrierende Fangruppierungen auseinanderzuhalten und damit das Gewaltpotential gering zu halten oder um der Wucherei beim Tickethandel Einhalt zu gebieten. Tatsächlich besteht eine Gefahr, dass sich einzelne Weiterverkäufer gleich zahlreiche Tickets erkaufen und damit Fußballfans die Möglichkeit nehmen, zu erschwinglichen Kosten Fußball Tickets zu ergattern.

Bei den Vertriebstätigkeiten über das Internet – etwa über ebay oder viagogo – bietet sich dem Veranstalter jedenfalls keine entsprechende Kontrollmöglichkeit zur Erreichung der vorstehenden Ziele mehr.

Was hat es mit der Abmahnung wegen Verkauf von Fußball Tickets auf sich?

Mit einer Abmahnung gegenüber einem Verkäufer von Fußball Karten wird dieser auf die Rechtswidrigkeit seines Handelns hingewiesen. Zugleich wird er unter dem Setzen einer Frist zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung aufgefordert. Grundsätzlich vermag nur die Abgabe einer hinreichenden Unterlassungserklärung die Wiederholungsgefahr entfallen zu lassen. Das bedeutet aber nicht, dass die der Abmahnung anliegende Muster-Unterlassungserklärung abgegeben werden sollte. Auch eine hinreichend modifizierte Unterlassungserklärung kann die Wiederholungsgefahr entfallen lassen.

Anwalt spricht Abmahnung wegen Fußball Ticket Verkauf aus
Die Abmahnung wird nicht selten durch eine vom Veranstalter beauftragte Rechtsanwaltskanzlei ausgesprochen. In diesen Fällen werden regelmäßig auch die angefallenen Rechtsanwaltskosten gegenüber dem abgemahnten Ticketverkäufer geltend gemacht.

Was tun, wenn man eine Abmahnung wegen eines Fußball Ticket Verkaufs erhalten hat?

Wer ein „Patentrezept“ erwartet, der muss enttäuscht werden; ein solches existiert für Abmahnungen wegen Ticket Verkäufen nicht.

Nicht übereilt Unterlassungserklärung abgeben
Vor einer übereilten Abgabe der Unterlassungserklärung, die dem Abmahnschreiben beigefügt ist, sollte Abstand genommen werden. Denn die von den Interessenvertretern der Veranstalter ausformulierten Unterlassungserklärungen sind oftmals ausufernd weit.

Nicht selten haben sich die Unterlassungsansprüche auf das konkrete Vertragsverhältnis zu beschränken, da sie (soweit nicht andere Anspruchsgrundlagen bestehen, wie solche aus dem Wettbewerbsrecht, Markenrecht oder Urheberrecht) zumeist auf § 280 Abs. 1 BGB abstellen und damit auf eine Pflichtverletzung aus einem konkreten Schuldverhältnis.

Konkreter Veranstaltungsbezug in Unterlassungserklärung
Die Unterlassungserklärung hat sich in diesen Fällen nur auf solche Aktivitäten zu erstrecken, bezüglich welcher die konkrete(n) Vertragsverletzung(en) vorliegt – bei Einzeltickets also die ganz konkrete(n) Veranstaltung(en) auf die sich das Ticket bezieht.

Ferner werten einige Gerichte die Unterwerfung unter das seitens der Veranstalter geforderte Unterlassungsversprechen in der von ihnen vorgegebenen Ausgestaltung als Schuldanerkenntnis. Außerdem enthalten die der Abmahnung beigefügten Unterlassungserklärungen häufig die Verpflichtung zur uneingeschränkten Kostenübernahme – ungeachtet der Umstände des Einzelfalls (und damit auch jenseits des Umstandes eines zugrunde liegenden gewerblichen Handelns). Der in Anspruch genommene Kartenveräußerer sollte sich zeitnah mit einem mit dieser Problematik betrauten Rechtsanwalt in Verbindung setzen. Dieser wird mit dem Abgemahnten das weitere Vorgehen erörtern und diesem – bei Bedarf – eine abgeänderte Unterlassungserklärung ausformulieren. Für weitere Fragen zu dieser Thematik stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.